Steffen Königer zum „Genderwahnsinn“


Am 09.06.2016 hielt der Brandenburger AfD-Abgeordnete Steffen Königer eine Rede. Ganz in guter Manier seiner Partei stiftete der AfD-Mann gleich zu Beginn einmal mehr Verwirrung durch Nichtwissen, indem er „herzlich“ alle möglichen Geschlechter und „Geschlechtlose“ begrüßte.

Dass er sich dabei stetig zu wiederholen schien und lediglich mehrfach dieselben Personengruppen nur unter anderen Bezeichnungen willkommen hieß, schien dem AfD-Abgeordneten genauso wenig aufzufallen, wie die Tatsache, dass der Ausdruck der „verschiedenen Geschlechter“ es nicht mal im Ansatz trifft – zur Wiederholung: Mann und Frau ist das Geschlecht, schwul oder lesbisch nichts weiter als die sexuelle Orientierung der Menschen.

Stellt sich doch direkt die erste Frage: wenn man Schwule und Lesben nun separat begrüßt, ist das dann nicht Diskriminierung gegen Heterosexuelle?

Aber wir schweifen zu weit ab. Inhaltlich gab die gesamte Rede des Abgeordneten leider wenig her. Ungemein aufschlussreich, was seine wahre Sicht der Dinge angeht und zugleich vollkommen inhaltsbefreit wandte Königer sich mit seiner Ansprache nicht nur auf diskriminierende Weise gegen sexuelle Minderheiten, die nicht in sein rechts-konservatives Weltbild passen (so genau sagt er es natürlich nicht), sondern schaffte es dabei auch noch, sich beständig zu wiederholen. Im Allgemeinen bestand die Rede aus der stetig wiederkehrenden Begrüßung des Publikums in immer denselben, gängigen Floskeln und der so knapp verpackten tatsächlichen Neuigkeit, dass diese beinahe unterging:

Königer lehnte als Landtagsabgeordneter und Mitglied des Ausschusses für „Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie“ im Namen der AfD-Fraktion einen offiziellen Antrag auf einen Aktionsplan für weniger Diskriminierung gegen Genderminderheiten ab. Womit wir schon bei den nächsten Fragen sind – ja die Politik der AfD wirft manchmal nichts als Fragen auf: inwiefern ist es sinnvoll, dass ein Politiker, dieser Position sich öffentlich über den sogenannten „Genderwahnsinn“ (also die multikulturelle, fortschrittliche Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, welche manch ein AfD-Mitglied schon des Öfteren zur allgemeinen Volksbedrohung deklarieren wollte) äußert, wo doch dieser Begriff nur von der AfD für ein von ihnen erfundenes Problem genutzt wird?

Und wenn man mal nachdenkt, ist der „Genderwahnsinn“ nicht schlichtweg ein einziges Wort, das die rechte Auffassung der AfD, die den Fortschritt und die soziale und individuelle Freiheit unserer Gesellschaft, also alles, worauf wir stolz sein können, ablehnt, auf den Punkt bringt? Wahnsinn trifft es da wohl ziemlich gut. Nur eben anders, als die AfD das meint…

Wie genau sich diese Einstellung mit Königers neuer Aufgabe, sich den Problemen der modernen Familie und der modernen, liberalen Gesellschaft anzunehmen verträgt bleibt wohl auch ein Mysterium? Wie eine solche Politik gestalten, wenn man allein das Grundprinzip im Kern ablehnt?

Um allem wenigstens noch eine ironische Note zu verleihen trägt besagter AfD-Politiker eine alles andere als konservative, nicht der Heteromanie entsprechende Langhaarfrisur. Manchmal meint man schon beinahe, die AfD will, dass man sie nicht ernstnehmen kann…

 

Das Fazit des Abends: auch nach drei Jahren schafft die AfD es nicht, halbwegs ernstzunehmende Themen zu finden oder gar diese geschickt oder zumindest nur subtil rechtsgesinnt unter die Leute zu bringen. Die Partei ist und bleibt regierungsunfähig und wendet sich nach wie vor regelmäßig auf diskriminierende Weise gegen Menschen, die nicht in ein veraltetes, viel zu enges, eindimensionales Weltbild passen wollen, in das die AfD unsere Gesellschaft zu zwängen versucht.

Wie zum Beweis dafür erregte erst kürzlich der sächsische Landtagsabgeordnete Andreas Gehlmann mit seiner Forderung, Schwule sollten in Deutschland wegen ihrer sexuellen Orientierung, ähnlich wie in Marokko üblich, inhaftiert werden.

Man kann für die Zukunft nur hoffen, dass solchen Behauptungen viel Gegenwind von einer weltoffenen, liberalen Gesellschaft entgegenschlägt.

Deutschland ist bunt – und zwar in jeder Hinsicht.

 

Hier zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=4DQ61G9ir0Q

Hier die Stellungsname der AfD mit Antrag: http://afd-fraktion-brandenburg.de/?wysija-page=1&controller=email&action=view&email_id=492&wysijap=subscriptions

Ruth, Linus

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