Sepsis – Showblut – Ilona Bulazel


Der Mordversuch an einem jungen Schauspieler und frisch gebackenen Gewinner einer Castingshow ruft Hauptkommissar Rolf Heerse und seine Kollegen aus Baden Baden auf den Plan. Wieso hat jemand versucht, den jungen Mann zu skalpieren? Die Ermittlungen im Umkreis des kleinen Ensembles rund um die Mäzenin Magda Lehringer gestalten sich von vornherein alles andere als einfach. Scheinbar jeder hat etwas zu verbergen. Als dann während einer Aufführung noch eine weitere, skalpierte Leiche auftaucht, muss Heerse sich widerwillig tiefer in die Welt der Schauspieler vorwagen – eine Welt, in der Liebe, Hass, Begierde und Eifersucht sich auf engstem Raum begegnen. Nichts ist so, wie es zu sein scheint. Hass, Eifersucht, Rache, Mordlust? Was für ein Motiv treibt den Täter zu solch grausigen Verbrechen? Heerse und sein Team ermitteln unter Hochdruck und nicht gerade einfachen Bedingungen, da kommt es zu einer unerwarteten Wendung und das Team muss alles, was es zu wissen glaubte noch einmal in Frage stellen…

Last but not least der dritte Teil der „Sepsis“-Reihe, deren vorausgegangene Bände „Sepsis – verkommenes Blut“ und „Sepsis – das Schandmaul“ ich ja bereits einmal breitgetreten habe. Ich muss gestehen, ich war bis unmittelbar vor Schluss der Überzeugung, mit diesem Band einen völligen Fehlgriff getan zu haben, was sich wohl hier auch widerspiegeln wird, sich jedoch nicht ganz bewahrheitet hat.
Das Team bleibt nach dem vorausgegangenen Teil „Das Schandmaul“ in diesem Band erhalten, sodass ich dazu nicht viel sagen muss: Heerse ist als Protagonist völlig in Ordnung, ja beinahe schon zu normal für das, was man in diesem Genre sonst so gewohnt ist (ich denke da etwa an Adler-Olsens Carl Mørck). Sein männlicher Kollege Müller verblasst leider ein wenig, wenngleich die Autorin durch Einblicke in dessen kompliziertes Privatleben stets bemüht ist, den Leser an ihn zu erinnern. Da sich die ganze Handlung auf diesem Gebiet nur träge dahinschleppt und nie richtig aufgelöst wird, wäre das nicht wirklich nötig gewesen. Es macht das Buch an einigen Stellen langatmig, wenn nicht gar langweilig. Im Gegensatz zum vorausgegangenen Band liegt der Fokus diesmal weniger auf Maren Teuber, der Kollegin, was der Story guttut. Sie ist stets präsent, ihre Bedeutung jedoch zurückgeschraubt, was mir gut gefallen hat.

Parallel zum Leben der Kommissare verfolgt der Leser auch diesmal wieder die Perspektiven des Mörders (die mich allerdings hauptsächlich verwirrt hat, aber trotz allem ganz okay ist) und die Ermittlungen aus Sicht wichtiger Persönlichkeiten aus dem kleinen Theaterensemble mit, wobei man die einzelnen Schauspieler besser kennenlernt. Es ist eine ganz gute, relativ bunte und differenzierte Mischung von spannenden Persönlichkeiten, die eigentlich rundum gut gelungen sind. Alle verschiedenen Sichten auf den Fall sind überzeugend geschildert und der Perspektivenwechsel baut trotz des relativ beschränkten Personenregisters des Buches (nicht, dass ich mich über zu wenige Leute beklagen würde!) und des kleinen Handlungsrahmens gekonnt Spannung auf. Nach einer Weile beginnt man ernsthaft daran zu zweifeln, dass irgendjemand etwas mit den Morden zu haben könnte.
Apropos Morde… Es ist ein Baden Baden Thriller, es wird also blutig! Über das Buch hinweg werden soweit ich mitgezählt habe mindestens vier Leute brutal abgeschlachtet und skalpiert! Nicht unbedingt etwas für schwache Nerven, obwohl ich die Darstellung der Gewaltszenen im Vergleich zu Werken wie „Killgame“ und den beiden anderen Teilen der Reihe noch relativ harmlos fand. Dennoch ist es nichts für Leser mit schwachen Nerven.

Mein größter Kritikpunkt, der mich fast an diesem Werk hat verzweifeln lassen, ist, dass es sich so unglaublich dahinzieht! Es passiert zu Anfang, wenn nicht gerade jemand abgeschlachtet wird, so gut wie gar nichts. Die Kommissare tappen extrem lange (eigentlich bis zu den letzten siebzig Seiten) völlig im Dunkeln und die Ermittlungen drehen sich im Kreis und langweilen so sehr, dass man irgendwann den Faden verliert.
Erst extrem knapp vor Schluss laufen die Fäden zusammen (und ich fand, dass ein bisschen viel Zufall dabei war) und endlich wird es richtig spannend! Ehe das Buch dann auch schon wieder vorbei ist.
Ein Ende, das mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Der Schluss führt zwar alle Handlungsstränge zusammen und löst den Fall relativ glaubwürdig auf, vermittelt aber den Eindruck, dass man niemals hätte erraten können, wer der Mörder war. Zugegebenermaßen hat Frau Bulazel das ganz geschickt eingefädelt. Sie führt den Leser bis zuletzt gekonnt hinters Licht, was für die nötige Spannung sorgt, die man lange vermisst hat, und löst den Fall mit einem großen Knall auf, der es wirklich in sich hat. Das war wirklich gut! Doch danach bleibt der Leser trotz einer perfekt erläuterten Auflösung irgendwie unzufrieden zurück. Es wird im Schluss alles viel zu hektisch, die Spannung kommt zu spät um das bis dahin recht zähe Buch noch zu retten und letzten Endes wirkt die Auflösung überkonstruiert.

Zusammengefasst hat mir die Auflösung von „Spesis – Showblut“ sowie der anschließende Epilog eigentlich ganz gut gefallen, es war nicht fantastisch, aber ganz solide, macht aber die zähe Grundstory, die sich ewig lange ergebnislos dahinschleppt leider nicht mehr wett. Alle interessierten Leser sollten sich daher eher die anderen beiden Bände vornehmen, diesen hier kann ich nicht weiterempfehlen. Da gibt es wirklich Besseres!

Sepsis – Showblut, Ilona Bulazel, CreateSpace Independent Publishing Platform, 2016, 286 Seiten, Taschenbuchausgabe, 9,99€

Bildnachweis: http://www.amazon.de/Sepsis-Showblut-Psychothriller-Ilona-Bulazel/dp/1523389176/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1463998371&sr=8-1&keywords=sepsis+showblut

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