Scherbenparadies – Inge Löhnig


Die siebzehnjährige Sandra hat ein Geheimnis von dem niemand erfahren darf: seit ihre arbeitslose, alkoholabhängige Mutter Laura ihren neuen Freund Ulf kennt, ständig bei ihm übernachtet und praktisch ausgezogen ist, kümmert die Schülerin sich allein um ihre sechsjährige Schwester Vanessa. Die Probleme in Sandras Leben wachsen ihr sehr bald über den Kopf: kein Geld, kein Essen und dann auch noch eine gemeine Mobbing-Attacke in der Schule obwohl sie doch niemandem etwas getan hat. Als Sandra sich dann auch noch Hals über Kopf in ihren attraktiven, jungen Klassenlehrer Nils Joswig verliebt und wegen der Abwesenheit ihrer Mutter immer häufiger in Erklärungsnot gerät, scheint das Chaos endgültig perfekt und doch wird Nils, der ihre Gefühle unerwartet erwidert, zu ihrem Rettungsanker und sie beginnen eine Affäre – ohne zu ahnen, dass Sandra sich zu einer scheinbaren Konkurrentin macht und damit selbst in Lebensgefahr bringt…

Nicht das neueste Buch was das Erscheinungsdatum angeht, ich weiß und klingt vielleicht etwas merkwürdig, aber ich selbst habe „Scherbenparadies“ in den letzten zwei Jahren mehr als nur einmal gelesen und halte es für eines der besten Werke aus der Jugendbuchreihe des Arena-Verlags. Es ist definitiv gut geschrieben und schön zu lesen und die Geschichte ist viel weniger kitschig, als es hier den Anschein haben mag.

Die Protagonistin ist gut ausgedacht, ihre Lebensgeschichte, der Werdegang ihrer Mutter etwas außergewöhnlich, aber nicht zu abwegig und ihr Leben anschaulich und realistisch beschrieben. Auch die schleichende Entwicklung, welche schließlich dazu führt, dass Laura nicht mehr erreichbar ist, ihre Kinder vollkommen allein lässt und mit ihrem Freund einfach so in eine neue Wohnung zieht ohne Sandra und Vanessa die Adresse zu hinterlegen, ist über das Buch hinweg überzeugend dargestellt. Außerdem ist es mir immer leicht gefallen, mich in Sandra hineinzuversetzen, ihre Entscheidungen genau wie sie zu durchdenken und nachzuvollziehen. Für diese realistische Darstellung der schwierigen Situation, die durch das beginnende Mobbing in Sandras Klasse noch verschärft wird, verdient die Autorin ein großes Lob. Auch wie das Mobbing abläuft ist nicht zu übertrieben dargestellt, die Klassenkameraden sind kein klischeehafter Abklatsch gängiger Vorurteile und keine überzeichneten Figuren, sondern ganz eigene, gut ausgedachte Persönlichkeiten. Der Ablauf des Mobbings von Sticheleien bis hin zur völligen Eskalation ist auch gut aufgebaut und überzeugend bis ins Detail geschildert (auch aus der Perspektive einer Mobbenden, was die Aktionen nochmal in einem anderen Licht erscheinen lässt) – das zu lesen war schon beängstigend, denn Mobbing und Sticheleien in der Schule haben sicher viele von euch (wenn auch hoffentlich nicht alle am eigenen Leib) in der eigenen Klasse schon erlebt.

Was sonst noch? Zum Ausgang der Geschichte und dem wann, wie und wo die Situation eskaliert und für Sandra lebensgefährlich wird, möchte ich nicht zu viel sagen, weil ich sonst alles vorwegnehmen würde. Diese Stelle ist die einzige im ganzen Buch, die vielleicht etwas zu krass beschrieben ist und für meinen Geschmack grenzwertig weit in die Fiktion abrückt. Doch auch hier streift die Autorin das Unrealistische nur am Rande und bleibt letztendlich doch immer auf dem Teppich und in einer realistisch und spannend beschriebenen, bis zur Auflösung gut aufgebauten, spannenden Handlung.

Zusammenfassend ist und bleibt „Scherbenparadies“ mein liebster Arena-Jugendthriller und ein spannendes, gutes Buch zum ausgelutschten Thema Mobbing in der Schule, das vor allem für jugendbuchbegeisterte Mädchen sicher mal einen Blick wert ist.

Scherbenparadies, Inge Löhnig, Arena Verlag, 2011, 264 Seiten, broschierte Ausgabe, 9,99€

Bildnachweis: http://www.amazon.de/gp/product/3401066021/ref=s9_simh_gw_p14_d0_i1?pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_s=desktop-1&pf_rd_r=1KEEM6SD8QANSHCKNF0B&pf_rd_t=36701&pf_rd_p=585296347&pf_rd_i=Desktop

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