Killgame – Andreas Winkelmann


Das Mädchen hat Angst. Seit Tagen ist sie in einem Verschlag unter der Erde gefangen.
Jemand öffnet die Klappe und wirft Laufkleidung herunter. Sie klettert aus ihrem Gefängnis und beginnt zu rennen. In die Freiheit. In den Wald. Doch schon bald soll sich der naive Glaube an Flucht als Irrtum erweisen. Sie ist gefangen in einem bizarren Spiel – und sie selbst ist der Hauptgewinn…
Dries Torwellen hat geschworen, seine achtzehnjährige Nichte Nia zu finden, die vor Wochen von zu Hause ausgerissen und seitdem wie vom Erdboden verschluckt ist. Als jedoch Nias letzte Kontakte einer nach dem anderen kurz nach Dries‘ Auftauchen auf brutale Weise ermordet werden und er ins Visier der Fahnder gerät, erkennt er, dass mehr dahinter stecken muss. Irgendjemand will mit allen Mitteln verhindern, dass er Nia findet.
Doch Dries gibt nicht auf. Die Spur führt ihn zu einer Lodge in den tiefen Wäldern Kanadas. Ihre Betreiber werben mit einem einzigartigen Urlaubserlebnis, das alle Grenzen sprengt…

Ich weiß, ich nerve und das hier interessiert keinen, aber nur um mein Gewissen zu beruhigen hier eine ausdrückliche Warnung: bevor hier alle weiterlesen. Dieses Buch ist sehr blutig, grausam und brutal und sein Inhalt auf keinen Fall für Leser jünger als 10. Klasse geeignet! Die Redaktion zensiert dieses Buch auf ein Mindestalter von 16 Jahren!

Mein zweiter Roman dieses Autors nach „Die Zucht“ (Kritik dazu auch hier auf der Website zu finden) und ich muss sagen, die Beschreibung hat mich sehr neugierig gemacht. Es wird dort, wie auch schon bei Winkelmanns vorherigem Werk recht viel verraten, weshalb ich das Buch mit dem Gedanken zu lesen begann: wo ist der Clou an der Geschichte?
Ich war auch zunächst etwas skeptisch dieser Story gegenüber. Meine Befürchtungen waren zahlreich: eventuell ein zu dünner, an den Haaren herbeigezogener, unlogischer Plot, der am Ende auch noch schiefgehen könnte, wenn nicht alles einigermaßen logisch und spannend aufgelöst wird. Und zugegebenermaßen war ich am Anfang von den drei verschiedenen Perspektiven, die der Leser über das Buch hinweg mitverfolgen muss etwas überrascht. Wie so oft dauert es mit der Spannung ein wenig, da erst alle wichtigen Personen, eine Gruppe Softwareentwickler, Nia und Dries vorgestellt und etabliert werden müssen, wodurch sich der Anfang dahinschleppt. Das bleibt aber auch mein größter Kritikpunkt, den ich „Killgame“ gerne verzeihe.

Man muss zunächst diesem Werk zugutehalten, dass die Zahl der Menschen wirklich übersichtlich bleibt.  Ein Thriller, der ohne viele Menschen auskommt hat seine Vorteile und trotz allem werden parallele Handlungsstränge in nur wenigen Seiten aufwendig und komplex miteinander verwoben. Das war wirklich super.
Dries Torwellen als Protagonist war eine etwas durchwachsene Sache. Am Anfang hat er mich genervt, da man auf den ersten Seiten kaum Information über ihn erhält und alles, was er tut den Leser nur verwirrt. Vor allem, was seine rätselhafte Vergangenheit, auf die immer wieder angespielt wird, angeht, tappt man lange im Dunkeln. Jedoch kann man sich über das Buch hinweg schließlich durch gut platzierte Hinweise das eine oder andere Detail erschließen und wird zuletzt aufgeklärt. Mein Tipp: wer „Extinction“ (Buchkritik in Ausgabe 77) gelesen hat, hat beim Mitraten über Dries‘ Vergangenheit einen Startvorteil.
Die Grundidee der ganzen Geschichte hat bei mir einen Nerv getroffen. Ich war von vornherein fasziniert und wollte unbedingt wissen, wie der Autor dieses Szenario auflöst. Und ich wurde nicht enttäuscht! Hier eine ausdrückliche Warnung: das ist ein Thriller der heftigen Sorte. Winkelmann hat nicht mit Blut und Ekelfaktor gegeizt. Es geht ziemlich brutal und gnadenlos zu, was Mordmethoden und -motive angeht. Hierbei ist positiv zu vermerken, dass trotzdem alles in einem eher nüchternen Stil gehalten ist und man sich unnötige Effekthascherei gespart hat. Ja, es wird eklig und sehr brutal und blutig – zum Ende hin sogar sehr blutig – aber doch fühlt es sich nicht wie unendliches, hirnloses Gemetzel an. Man hat nicht permanent das Gefühl zusammen mit Dries knietief durch Blut zu waten, wenngleich man weiß, dass es genau so ist.
Auch die Aktivitäten einer Gruppe von Softwareentwicklern sind einigermaßen überzeugend geschildert und in die Handlungsstränge um Dries und Nia eingebunden. Hier waren mir die Charaktere teils ein wenig zu flach, aber bei zweien von ihnen ist das nach Ende des Buches rückblickend absolut vertretbar und der Leser merkt schnell, welche beiden Jägern er aufmerksam beobachten muss…

Mir hat „Killgame“ rückblickend gut gefallen. Es kommt nicht ganz an „Die Zucht“ heran, dennoch ist es ein weiterer gut lesbarer Thriller von Winkelmann mit jeder Menge Blut und einer fesselnden Grundidee deren Umsetzung erstaunlich gut geglückt ist: das Buch hat immer wieder überraschende, krasse Schockmomente, obwohl doch von Anfang an klar schein, worauf die Geschichte hinausläuft und schafft es bis zuletzt die Spannung aufrecht zu erhalten.
Für mich eine tolle Leistung des Autors, die ich mit gutem Gewissen an alle etwas älteren Genrefans, die Thriller mit ordentlich Blut und gewissem Ekelfaktor mögen weiterempfehle.

Killgame, Andreas Winkelmann, Wunderlich Verlag, 2016, 432 Seiten, broschierte Ausgabe, 14,99€, von der Redaktion empfohlenes Alter: 16+ Jahre

Killgame

Bildnachweis: http://www.amazon.de/Killgame-Andreas-Winkelmann/dp/3805250800/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1463514104&sr=8-1&keywords=killgame+Winkelmann

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