Frostherz – Bettina Brömme


Anne ist nicht wie andere, siebzehnjährige Mädchen. Sie lebt ganz zurückgezogen, kennt die Welt kaum und ihr übervorsichtiger Vater, der seit dem frühen Tod ihrer Mutter in ständiger, krankhafter Angst lebt, Anne zu verlieren, überwacht jeden ihrer Schritte. Niemals stellt Anne das in Frage. Er hat doch bloß Angst und will sie beschützen! Doch kurz nach dem plötzlichen Tod ihrer Großmutter tritt Cornelius in Annes Leben und schafft es mit Hilfe des sturen, freien Chaoten, der ihr genaues Gegenteil zu sein scheint endlich, sich gegen ihren Vater aufzulehnen. Was Anne nicht ahnen kann: ihren Vater quält ein schreckliches Familiengeheimnis und ganz in ihrer Nähe gibt es jemanden, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, um zu garantieren, dass man dieses Geheimnis auch für immer wahrt.

Ja. Ich gebe es zu. Mein Konsum an Arena-Jugendthrillern nimmt beängstigende Ausmaße an. Ich habe neulich mal wieder nach neuem Stoff gesucht und stieß dabei auf „Frostherz“, was sich durchaus interessant anhörte, also habe ich mir das Buch mal angetan.

Leider, leider kann dieser Teil der Reihe meinen Erwartungen nicht ganz so sehr gerecht werden wie seine Vorgänger. Besonders der Anfang des Buches, das sich in die Handlungsstränge von Annes Leben, Cornelius‘ Leben und einige, rätselhafte Tagebucheinträge aufteilt, ist etwas zäh und schleppend, die Story kommt nicht so Recht in Gang und – das nehme ich gleich mal voraus – ich habe zwar mitbekommen, auf welches Grundthema das Buch hinaus wollte, die genaue Auflösung der Geschichte als solche habe ich jedoch verschlafen, denn obwohl sich die Handlung teils etwas dahinzieht konnte ich „Frostherz“, erst einmal angefangen, auch nachts um halb zwei nicht aus der Hand legen. Immerhin dafür gibt es ein Lob.

Allerdings fand ich die durchaus interessante Grundthematik in diesem Teil der Arena-Reihe nicht so gut ausgearbeitet. „Frostherz“ scheint mir ein klarer Fall von „(sehr) gut gedacht – schlecht gemacht“ zu sein. Das eigentliche Thema, auf das die Geschichte letztendlich hinauslaufen sollte, kam viel zu kurz und wurde nicht ausführlich genug behandelt, um dem Leser wirklich verständlich zu machen, wie letztendlich alle Protagonisten zusammenhingen. Einige rätselhafte Tagebucheinträge von einem Mann, offenbar einem Verwandten von Anne, sollten sowohl Spannung aufbauen, als auch dem Leser wichtige Informationen vorausgeben (ähnlich wie bei „Aschenputtelfluch“) verfehlen in „Frostherz“ ihre Wirkung aber leider total. Da ich nicht kapiert habe, wer wann über wen schrieb und das über eine lange Zeit, kam es in meinem Fall hauptsächlich zu völliger Verwirrung…

Anne war zwar eine ganz nette Hauptperson, der man gut folgen konnte, ihre Intention und Einstellung wurde jedoch aus meiner Sicht teils nicht ganz so realistisch geschildert. Für mich war die Darstellung einer eigentlich normalen Siebzehnjährigen, die zulässt, dass ihr Vater sie kontrolliert, einsperrt und regelrecht, wenn auch in guter Absicht, tyrannisiert, ohne auch nur einmal an eine Rebellion zu denken, dann doch etwas übertrieben und unrealistisch. Anne war einfach nicht wirklich präsent genug, um ihr durch die etwas verwirrende Story zu folgen, ihre Handlungen zwar stets logisch erklärt, aber für mich eben doch nicht ganz nachvollziehbar und ihr Verhältnis zu ihrem Mitschüler Cornelius war… Naja. Etwas anstrengend und teils unnötig kompliziert.

Dafür bewundere ich die Darstellung ihres kontrollsüchtigen, übervorsichtigen Vaters sehr, da die Autorin es mit ihm geschafft hat, das Klischee der Helikoptereltern auf die Spitze zu treiben, ohne völlig ins Absurde zu rutschen. Und auch Annes Mitschüler sind realistische, gerade gut genug geschilderte Persönlichkeiten, die  die es tatsächlich über das Buch hinweg doch schaffen, dem Leser Annes etwas merkwürdige und doch verzwickte Situation näher zu bringen.

Klang bis jetzt nicht schlecht? Ist die Grundidee wie bereits gesagt ja auch nicht. Bloß an der Ausführung hapert es in diese, Buch leider sehr. Die Hauptperson ist etwas zu flach, ihre Beziehung oder was auch immer das mit ihrem Mitschüler Cornelius ist, streckt alles unnötig in die Länge. Die eigentliche Story des Buches rund um die verstorbene Großmutter, einen Onkel, der aus rätselhaften Gründen Selbstmord beging und einen berühmten Knabenchor, die Verstrickungen bis in Annes Lebzeit aufweist und durchaus Potenzial gehabt hätte, bleibt hierbei völlig auf der Strecke und gerät in Vergessenheit, bis sich alles nur noch um sich selbst zu drehen scheint, ehe die Autorin noch rasch irgendwie einige Verbindungen zwischen wichtigen Personen aufdeckt und ein etwas schräges Ende der Geschichte zusammenzimmert…

Alles in allem kein besonders tolles Ergebnis für diese Reihe und der Grund, weshalb ich „Frostherz“ auch leider nicht unbedingt weiterempfehlen möchte. Wer wirklich absolut auf die Reihe steht, kann es sich ja mal antun, aber ein Muss ist das Buch sicher nicht. Da gibt es vorher noch deutlich Bessere!

Frostherz, Bettina Brömme, Arena-Verlag, 2013, 288 Seiten, broschierte Ausgabe, 9,99€

Bildnachweis: http://www.amazon.de/Frostherz-Arena-Thriller-Bettina-Br%C3%B6mme/dp/3401068415/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1448063573&sr=8-1&keywords=frostherz+bettina+br%C3%B6mme+Taschenbuch

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