Ehe für alle – Deutschland erlaubt homosexuellen Paaren das Heiraten


Die Niederländer haben es, die Dänen, die Belgier, die Norweger, die Isländer, die Briten, sogar die Amerikaner – und jetzt haben es auch endlich alle Deutschen: das Recht, ihren Partner oder ihre Partnerin offiziell zu heiraten. Auch dann, wenn es sich um eine gleichgeschlechtliche Beziehung handelt.

In einer historischen Entscheidung stimmte der Bundestag gestern mit „Ja“ für die sogenannte „Ehe für alle“. Der Fraktionszwang wurde für diese Abstimmung aufgehoben – jeder Abgeordnete durfte frei nach seinem eigenen Gewissen entscheiden, unabhängig davon, wie seine Partei der „Homo-Ehe“ gegenüber eingestellt ist.
Kanzlerin Angela Merkel hatte diese Abstimmung kurz vor den Bundestagswahlen überraschend doch noch zugelassen. Der Koalitionspartner SPD fordert die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Deutschland schon eine ganze Weile.

flagge-homosexuelle-eheEntsprechend groß war die Freude der SPD-Anhänger, als das Ergebnis verkündet wurde: 393 Abgeordnete sprachen sich für die „Ehe für alle“ aus, sie siegten deutlich gegen die 226 Gegenstimmen. SPD, Linke und Grüne sprachen sich nahezu geschlossen für das Gesetz zur Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe aus und auch 73 Abgeordnete der laut Fraktionseinstellung dem Gesetz abgeneigten CDU/CSU stimmten dafür. Seit gestern dürfen nun also offiziell auch homosexuelle Paare in Deutschland mit allen daraus hervorgehenden Vorteilen heiraten.

Ein Entschluss der längst überfällig war. Laut Umfragen des ZDF Politbarometers sprachen sich zuletzt gut 73 % der befragten Deutschen für eine Gleichstellung der Ehe aus. Die meisten sehen kein Problem darin, die Homo-Ehe zu erlauben, schließlich bedeutet das Gesetz keine Schlechterstellung oder einen Nachteil für andere Paare.
Verfassungsrechtlich ist die gleichgeschlechtliche Ehe jedoch weit komplizierter, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Eines der Hauptargumente der konservativen Gegner: im Grundgesetzt wird die Ehe, die zu schützen der Staat verpflichtet ist (Art. 6 GG, Schutz von Ehe und Familie), expliziert definiert – als die Verbindung zwischen Mann und Frau. Konservative Regierungsmitglieder sehen folglich in der Ehe für alle einen schweren Verstoß gegen unser Grundgesetz.
Auch geschichtlich ist die Ehe für homosexuelle Paare ein eher kompliziertes Thema. Ab 1871 bestrafte ein Paragraph im Deutschen Reich die „widernatürliche Unzucht“ zwischen zwei Männern mit bis zu sechs Monaten Gefängnis. Homosexualität galt als „entartet“ und „krank“, wer sich offen dazu bekannte, wurde bestraft oder gar in Nervenheilanstalten eingewiesen. Das Dritte Reich verschärfte die Situation noch: ab 1935 wurden Schwule in Deutschland beinahe wie Juden systematisch verfolgt. Über 50 000 homosexuelle Männer, so schätzt man, wurden verurteilt, von ihnen landeten bis zu 15 000 in den Konzentrationslagern. Tausende starben dort.
Auch in der jungen BRD blieb Homosexualität im Gesetzt ein Straftatbestand. Über 50 000 weitere Urteile wurden bis 1969 gegen Homosexuelle vollstreckt. Der Paragraph, der homosexuelle Beziehungen verbot wurde deutschlandweit erst 1994 abgeschafft.

2001 ermöglichte die rot-grüne Regierung zunächst das Lebenspartnerschaftsgesetz. Schon eine deutliche Verbesserung der Lage, doch die Unterstützer gleichgeschlechtlicher Ehe forderten schon lange weitere Schritte zur Gleichberechtigung.
Nun ist die völlige Gleichstellung gelungen. Denn mit der „Ehe für alle“ ändert sich nochmal einiges: homosexuelle Paare dürfen jetzt standesamtlich heiraten und erhalten dieselben Steuervorteile, die andere Ehepaare genießen. Zudem dürfen sie nun ohne Nachteile Kinder adoptieren.
Dies war bisher nur möglich, wenn einer der Partner bereits leibliche Kinder mit in die Lebenspartnerschaft gebrach hatte.

Länder aus aller Welt begrüßten das Ergebnis der Abstimmung in Deutschland. International stuft man die Akzeptanz homosexueller Paare heute als wichtiges Maß für den gesellschaftlichen Fortschritt eines Landes ein.
Für Deutschland ist diese historische Abstimmung also ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, der uns weiter von kritisch zu betrachtenden Ländern wie Russland oder islamistisch-geführten Staaten wegbringt.

 

Quellen:
http://www.zeit.de/news/2017-06/29/parteien-ende-eines-langen-kampfes-die-ehe-fuer-alle-kommt-29131402
http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_81562504/ehe-fuer-alle-volker-kauder-rechnet-mit-verfassungsklage.html
http://www.rp-online.de/panorama/ausland/in-welchen-laendern-gibt-es-die-homo-ehe-bid-1.571744
http://www.stern.de/politik/deutschland/heiko-maas-feiert-die–ehe-fuer-alle—-doch-nicht-ohne-seitenhieb-7517924.html

Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/14/Flag_of_ACI_1923.svg/2000px-Flag_of_ACI_1923.svg.png

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