Die Totentänzerin – Max Bentow


Ein Mann und eine Frau, auf einem Bett liegend, entkleidet und in einer innigen Umarmung im Tod vereint. Das Laken ist blutdurchtränkt. Davor hat der Täter die Nachwäsche seiner Opfer auf bizarre Weise drapiert, wie zur Ausstellung dieser. Dieser Anblick bietet sich Nils Trojan, als er an seinem neuen Tatort ankommt. Welcher kranke Geist hat hier gewütet? Trojan ist schockiert, als ausgerechnet Theresa Landsberg, die Ehefrau seines Chefs in den engsten Kreis der Verdächtigen gerät. Trojan will eigentlich gar nicht an ihre Schuld glauben, doch die Frau verstrickt sich mehr und mehr in Widersprüche, scheint verwirrt und kann sich an gewisse Zeiträume plötzlich nicht mehr erinnern und Trojan muss unbedingt in alle Richtungen ermitteln. Denn soeben wurde ein weiteres Liebespaar tot aufgefunden…

Das Blutbad um die Fälle des Berliner Kommissars geht in Runde drei. Diesmal bekommt er es mit einer ganzen Serie von schaurigen Doppelmorden zu tun. Auch in Teil drei bleibt der Autor seinem Stil – welchen ich sehr, sehr gerne mag – treu, führt schnell und ohne unnötige Verwirrung in seinen dritten Fall ein. An den Tatorten fließt in diesem Band relativ viel Opferblut, die Stimmung ist schaurig und teilweise war „Die Totentänzerin“ dann auch wirklich nur bei Tageslicht lesbar, dafür verdient Bentow großes Lob!

Der dritte Fall beleuchtet neben Trojans Leben, das sich weiterhin hauptsächlich um seine Tochter Emily und seine Versuche, die Psychologin Jana Michels zu einem Date zu überzeugen dreht und den Ermittlungen rund um das bekannte Team im Kommissariat auch ein wenig das Privatleben seines Chefs oder wohl eher das seiner Ehefrau näher, ein Handlungsstrang, dessen Sinn sich zwar schnell erschließt, der jedoch durch die immer wieder auftretenden Filmrisse der Frau und ihre eigene Verwirrung durchaus spannend bleibt und den Leser geschickt durch das Buch führt und immer wieder an seinen Sinnen zweifeln lässt. Ich persönlich mochte Theresa Landsberg leider als Person einfach nicht, aber das ist eher persönliches Empfinden. Ihre Handlungen werden alle beschrieben und schlüssig begründet, wodurch der Leser nie verwirrter ist, als die Frau selbst, was jedoch auch nicht viel heißen muss.

Zuletzt spitzt sich die Lage im Buch auf dem Weg zum Höhepunkt rasch zu: Landsberg muss Trojan den Fall wegen Befangenheit komplett übergeben und Trojan sieht sich gezwungen, die Frau seines Chefs des mehrfachen Mordes zu bezichtigen, ehe ein völlig neuer Handlungsstrang alle Vermutungen und vor allem die Situation rund um Theresa Landsberg nochmal in einem völlig neuen Licht darstellt und die Wende am Schluss bringt.

Mir persönlich, die ich einfach schon die Ausgangssituation rund um Trojan als präsenten, nicht zu klischeehaften Ermittler mag, hat auch „Die Totentänzerin“ gut gefallen. Teil drei ist meiner Meinung nach deutlich besser gelungen als Trojans zweiter Fall und kann sich durchaus mit „Der Federmann“ messen. Damit erhält er für alle Genrefans, die es etwas deftiger und blutiger mögen und das auch verkraften können, eine klare Empfehlung.

Die Totentänzerin, Max Bentow, Goldmann Verlag, 2014, 384 Seiten, Taschenbuchausgabe, 8,99€

Bildnachweis: http://www.amazon.de/Die-Totent%C3%A4nzerin-Psychothriller-Bentow-Broschiert/dp/B00FNAQOUM/ref=sr_1_7?s=books&ie=UTF8&qid=1443447202&sr=1-7&keywords=die+totent%C3%A4nzerin

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