Die Blutschule – Max Rhode 1


Die Teenager Simon und Mark sind von ihrer neuen Heimat nicht gerade begeistert. Aus der lebhaften Stadt gerissen verschlägt es die beiden Teenager aufs Land in die Einöde Brandenburgs ins alte Haus der Familie ihres Vaters. Das einzige, worauf die beiden sich freuen sind ihre sechs Wochen entspannter Sommerferien – doch auch da macht ihnen ihr Vater überraschend einen Strich durch die Rechnung. Statt entspannen am See bringt er sie unter dem Vorwand eines Wochenendausfluges auf eine Insel, in eine Hütte, eingerichtet wie eine Schule. Eine ganz besondere Schule mit einem grausamen Lehrplan, nach dem sonst wohl nur in der Hölle unterrichtet wird. Auf dem Stundenplan heute: Opfer finden, Falle stellen, Opfer jagen, Menschen töten. Für die beiden Jungen beginnt der blanke Horror und ein unerbittlicher Überlebenskampf auf der Flucht vor dem Menschen, den sie bis vor kurzem besser als jeden anderen zu kennen glaubten: ihrem Vater. Denn der scheint vollkommen zum Psychokiller mutiert zu sein und er ist im Blutrausch und fest überzeugt: das einzige, was seine Kinder wirklich lernen müssen ist zu morden.

Warnung: bevor hier alle weiterlesen, dieses Buch ist sehr blutig, grausam und brutal und sein Inhalt auf gar keinen Fall für Leser jünger als 10. Klasse geeignet! Die Redaktion zensiert dieses Buch auf ein Mindestalter von 16 Jahren!

Und für den Rest von euch: Sebastian Fitzek in Top-Form. Diesmal veröffentlicht der Autor sein neues Werk unter einem Pseudonym – Fitzek schreibt aus der Perspektive des Protagonisten seines eigentlichen neuen Romans „Das Joshua Profil“, über den ich auch noch berichten werde. Klingt kompliziert? Ist es eigentlich nicht. Max Rhode ist Sebastian Fitzek, mehr muss der Leser für dieses Werk nicht wissen.

Ach ja, zum Buch selbst wollte ich ja noch was sagen! Womit soll ich bloß anfangen? Auf dem Cover steht „Thriller“. Ich muss sagen, ich war noch nicht weit gekommen, da wusste ich eines schon sicher: das hier fällt wohl eindeutig eher unter den Begriff des „Horror-Genres“. Die Story, die sich im Prinzip zuletzt nur noch um den blanken Überlebenskampf der beiden Teenager und ihre Flucht vor ihrem offenbar verrückt gewordenen und wild mordenden Vater dreht, beginnt etwas zäh und schleppend, scheint zu Anfang noch recht harmlos – ich verspreche euch, das bleibt sie nicht. Trotz des falschen Namens weist der Schreibstil von der ersten Seite an eindeutig auf Sebastian Fitzek hin, was die Story trotz mangelnder Spannung am Anfang für mich als Fan ganz gut lesbar gemacht hat. Auch die Tatsache, dass die eigentliche Story des Buches in Form einer „Patientenakte“ dargeboten wird ist ein eindeutiger Hinweis auf den wahren Autor und verweist auf frühere Werke wie „Der Seelenbrecher“ oder „Die Therapie“, was für mich durchaus ansprechend war, da Fitzek es so immer schafft, selbst die abstrusesten Ideen zum Ende hin aufzuklären – normalerweise zumindest.

Spätestens, wenn die Söhne und der Vater während ihres vorgetäuschten Wochenendausfluges die „Schule“ auf der Insel betreten verändert sich die Stimmung im Buch dann schlagartig und kippt innerhalb weniger Seiten von langweilig zu todspannend, dass man es nur noch aus der Hand legt, um bei all der Qual und dem Horror (von Tiertötung über ausgestochene Augen bis hin zum lebendigen Verbrennen von Menschen ist hier mal wieder alles geboten) mal kurz durchzuatmen. Ich rate hiermit ausdrücklich davon ab, dieses Buch so wie ich mitten in der Nacht zu lesen. Man wird ein wenig paranoid und kann dann erstmal eine gute halbe Stunde nicht mehr schlafen, das verspreche ich. Das Buch wird in wenigen Seiten wirklich sehr, sehr eklig und blutrünstig und erinnert dabei im Stil sehr an Werke wie Fitzeks „Augensammler“, nur noch schlimmer. Ab dieser Stelle muss man dann auch die Story nicht mehr verstehen, sie wird leider immer abstruser und verrückter und klingt irgendwann nur noch wie eine gruselige Buchversion von „Walking Dead“ – teils ist das hierbei wörtlich zu nehmen! Wirklich absolut nichts für schwache Nerven.

Hier ist auch leider mein größter Kritikpunkt: ich konnte die Geschichte um den durchgedrehten Vater und seine Kinder ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr glauben. Normalerweise schafft Fitzek immer noch rechtzeitig die Kurve, bevor es zu abstrus wird und bleibt somit im Genre des gepflegten Psychothrillers, doch hier (ich nehme an, es war Absicht) rutscht der Autor viel zu schnell in verrückte, unglaubliche und unlogische Bereiche des Horrors ab und scheint dann dort, bei unsterblichen Vätern und Hunden zu versacken. Zwar gibt es noch offensichtliche Hinweise auf ihn als Autor, wie den eindeutigen, angenehm lesbaren Stil oder gewisse Personenkonstellationen und Handlungsorte (ja, Herr Fitzek mag abgeschiedene Inseln), doch die Art der Handlung und wie sie über das Buch hinweg verläuft zeigen deutlich, dass Fitzek sich ernsthaft um neue Perspektiven und um die Darstellung seines anderen Protagonisten als eigentlichen Autor bemüht hat.

Zusammengefasst ist „Die Blutschule“ eigentlich eine so coole Idee, dass ich sogar gewillt bin, Fitzek die Tatsache zu verzeihen, dass es sich bei diesem Buch um reine Promotion für „Das Joshua-Profil“ und somit pure Geldmacherei handelt. Es ist sicher eine gute Ergänzung zu „Das Joshua-Profil“ und durchaus spannend geschrieben, insgesamt aber eher für Hartgesottene und Freunde des gepflegten Horror-Genres. Definitiv kein Muss aber für Fitzek-Fans ganz okay.

Die Blutschule, Max Rhode/Sebastian Fitzek, Bastei Lübbe, 2015, 256 Seiten, Taschenbuchausgabe, 12,99€, vom Hersteller empfohlenes Alter: 16 + Jahre

Bildquelle: http://www.amazon.de/Die-Blutschule-Thriller-Max-Rhode/dp/3404172671/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1446497158&sr=8-1&keywords=die+blutschule


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