Das Hexenmädchen – Max Bentow 1


Eine neue Nacht, eine neue Leiche für den Berliner Kommissar Nils Trojan. Diesmal ist es ein männliches Opfer. Er wurde in seiner eigenen Küche grausam hingerichtet, der Körper ist grotesk arrangiert, der Kopf steckt im Backofen. Noch ehe Trojan ernsthafte Ergebnisse erzielen kann, schlägt der Täter wieder mit äußerster Brutalität zu – und erneut trägt die Leiche seine unverwechselbare Handschrift. Trojan und seine Kollegen tappen im Dunkeln, ohne den geringsten Anhaltspunkt, da verschwinden dicht nacheinander die kleine Sophie und ihre Freundin Jule. Langsam beschleicht Trojan der Verdacht, dass zwischen den verschwundenen Kindern und den Morden ein Zusammenhang besteht, denn zwei Fragen gehe ihm nicht mehr aus dem Kopf: Warum sprachen beide Mädchen unabhängig voneinander kurz vor ihrem Verschwinden von einer rätselhaften „Hexe“, vor der sie sich fürchteten? Und warum fühlte er sich beim Anblick der Mordopfer sogleich fatal an ein berühmtes Kindermärchen erinnert?

Der vierte Teil meiner liebsten deutschen Krimireihe und mit dem „Federmann“ zusammen wohl auch mein liebster von allen. Die Figuren bleiben weitestgehend gleich, lediglich in Trojans Privatleben hat sich die Rolle der Jana Michels von seiner Psychotherapeutin zu seiner Freundin weiterentwickelt, was über die vorherigen Teile hinweg bereits angedeutet wurde. Auch in seinem vierten Fall bleibt Bentow seinem Stil treu: die Einführung ist knapp und baut gekonnt Spannung auf, die Ermittlungen beginnen sofort mit dem Auffinden der ersten Leiche. Nils Trojan ist immer präsent und bleibt eine gut ausgedachte, starke Ermittlerpersönlichkeit weitab vom gängigen Klischee und irgendwie immer sympathisch.

Die Handlung von „Das Hexenmädchen“ ist gut durchdacht, logisch aufgebaut und lebt von den immer wiederkehrenden Perspektivenwechseln, Sprüngen und Brüchen in Raum und Zeit der Handlung. So verfolgt der Leser parallel zu den Ermittlungen immer wieder die Erlebnisse von Sophie und Jule aus deren durchaus gut geschriebenen Perspektiven. Hierbei schafft der Autor es, die kindliche Sichtweise und die Gedanken zu erläutern und zu integrieren, ohne, dass es künstlich oder das Kind dabei dumm wirkt, wofür ich ihn sehr loben muss, denn eine solche Perspektive glaubwürdig zu gestalten ist sehr schwierig.

Der Leser tappt über das Buch hinweg gerade noch genug im Dunkeln, um sich mit den Kindern zu ekeln, zu gruseln und zu fürchten vor der „Hexe“, nach der Trojan und seine Kollegen fahnden müssen und deren wahre Identität und Intention für die grausigen Morde am Ende des Buches mit durchgehender Spannung aufgelöst werden und bei mir für große Überraschung gesorgt haben. Hierbei sollte ich erwähnen, dass ich selbst letztendlich von dem Thema, auf das Bentow hinaus wollte, überrascht war, weil ich selbst, wenngleich vieles wohl schon auf der Hand lag, nicht erraten konnte.

Lediglich bei der ganz genauen Auflösung schwächelt Trojans vierter Fall ein wenig, einiges bleibt letztendlich nur halb aufgelöst zurück, doch als Fan des vierten Buches verzeihe ich das dem Autor, auch, weil mich das Ende, das ich so nicht erwartet hatte, fasziniert, überrascht und letztlich überzeugt hat.

Für mich ist „Das Hexenmädchen“ mein liebster Trojan-Fall mit einer spannenden Geschichte rund um einen interessanten Fall, genug Blut und vielen, witzigen Märchenanspielungen, der für alle, die „Der Federmann“ mochten, besten Gewissens eine Empfehlung bekommt.

Das Hexenmädchen, Max Bentow, Page & Turner, 2014, 384 Seiten, broschierte Ausgabe, 14,99€

Bildnachweis: http://www.amazon.de/Das-Hexenm%C3%A4dchen-Trojan-Psychothriller-Kommissar/dp/3442204313/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1443448758&sr=1-1&keywords=das+hexenm%C3%A4dchen+Taschenbuch


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